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Manager lehrt Schüler "freies Reden ohne Angst"

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Rhetorik-Seminare an Schulen stoßen auf großes Interesse


Ein weiß-rotes Plastikband läuft quer über den Fußboden im Klassenzimmer. Eines, wie es Straßenarbeiter verwenden. "Hier ist Baustelle in Sachen Rhetorik", erläutert Robert Harfold an einem Samstagvormittag. Jenseits des Bandes sitzen ein Dutzend Schüler. Während ihre Kameraden die Freizeit genießen, haben sich die Jugendlichen im sonst menschenleeren Schulhaus versammelt, um gemeinsam mit Unternehmensberater Harfold fit zu werden in puncto Rhetorik und Selbstdarstellung.

Initiative zeigen

Andernorts debattieren Verantwortliche über das PISA-Debakel - die Ingolstädter Jugendlichen gehen ihre Zukunft an und lassen sich auf die Anforderungen des Berufslebens vorbereiten. "SCOUT - School is out" nennt der 44-jährige Geschäftsführer der Fürther Personalentwicklungs- und Trainingsagentur "inter@ct" sein Programm.

Seminar erfreut sich großer Beliebtheit

Eigentlich ist es vorrangig für Firmen und Erwachsene gedacht. Seit Harfold aber vor zwei Jahren erstmals an das Ingolstädter Christoph-Scheiner-Gymnasium ging, erfreut sich das eintägige Seminar bei Jugendlichen immer größerer Beliebtheit. "Wir rennen mit unserem Angebot offene Türen ein", bestätigt Harfold. Mehr als 300 junge Menschen haben bislang bei und mit ihm trainiert.

Angst abbauen

Die Schüler kommen mit ähnlichen Anliegen in seine Kurse. "Ich würde gern meine Angst abbauen vor einem Vortrag", erklärt der 17- jährige Wolfgang stellvertretend für viele Jugendliche. Die Kurskosten von 50 Euro haben seine Eltern übernommen, den freien Tag investiert er gern. Wenn er dann nur nicht mehr so nervös werde bei Referaten, hofft der Elft-Klässler.

"Soft-skills" sind das Ziel

Harfold arbeitet mit den Schülern auf die so genannten "soft skills" hin: Sicheres Auftreten, klare Sprache, strukturierter Vortrag. In der Schule schafften es die jungen Leute oft nicht, ihre inhaltliche Qualität locker darzustellen, sagt der Kommunikations-Experte.

Ermutigung, Kritik und neue Anstösse

Wolfgang tritt vor die Gruppe und beginnt mit einer Geschichte über Modellflieger. Die Erzählung ist witzig, es geht um große Flugzeuge und ganz kleine, der Jugendliche soll an seiner Gestik feilen. "Mist", unterbricht er sich plötzlich, weil der Handlungsfaden abreißt. Harfold wiegelt ab: "Alles im grünen Bereich. Mach einfach weiter." Immer wieder ermutigt er die jungen Redner, lässt sie konstruktive Kritik sofort umsetzen, gibt neue Anstöße.

Feedback per farbiger Karte

Und Harfold fordert Feedback: Die ganze Gruppe beurteilt den, der hinter dem Baustellen-Band sein Bestes gibt. Drei Karten in den Farben rot, gelb und grün sind zur Notenvergabe gedacht. Stets interessiert dabei das "warum?". "Der Blickkontakt hat manchmal gefehlt", begründet die 18-jährige Carmen die gelbe Karte bei ihrer Bewertung von Wolfgangs Vortrag. Wolfgang grinst verlegen. Das reicht Harfold nicht, er bittet Wolfgang erneut vor die Gruppe. Diesmal gelingt es besser: die anderen Teilnehmer belohnen den verlegen lächelnden Schüler mit einem glatten und satten grün.

Innehalten, Faust ballen, weitermachen

"Kinder arbeiten hervorragend inhaltlich. Sich und die Inhalte präsentieren, können oft weder Kinder noch Erwachsene." Harfold arbeitet grundsätzlich mit dem gleichen Programm für Kinder und Erwachsene. Mit Jugendlichen arbeitet der gebürtige Ingolstädter mittlerweile an dem Gymnasium, einer Real- und einer Technikerschule. Trainiert werden Stimme, Sprache, Gestik, Mimik und Körperhaltung. Daneben verteilt Harfold generelle Tipps. "Wenn du nervös wirst, nicht mehr weiter weißt, dann halt inne und balle die Faust", rät er Wolfgang.

"Aushalten statt Ausweichen"

Die Eigenschaften kämen den Schülern weit über das Abitur hinaus zu Gute, sagt Harfold. "Unternehmen suchen händeringend nach Leuten mit soft skills." Bei Vorstellungsgesprächen funktioniere das Argumentieren nur mit überzeugungskraft. Aushalten statt ausweichen sei die Devise, macht der Unternehmensberater seiner jungen Gruppe klar. Für Wolfgang könnte das entscheidend sein. Später will er in die Wirtschaft, Manager werden. Das hat er sich schon genau überlegt.

Kristina Pezzei STERN
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